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Katja Eichner, Jahrgang 1968, lebt in einer bikulturellen Familie. Sie ist Initiatorin des Südasien-Stammtischs in Zusammenarbeit mit der Humboldt-Universität zu Berlin und Mitglied des Vereins A Propos, Gesellschaft für Internationale Beziehungen, Konfliktmanagement und Interkulturellen Dialog e.V. Foto: Dagmar Stratenschulte |
Was bringst du mit ins Lernhaus?
Ich bin seit meiner Kindheit fasziniert von anderen Kulturen und Religionen, früh hat mich meine Indienbegeisterung gepackt. Ich habe dann Südasienwissenschaften studiert und war mehrmals in Asien. Dabei haben natürlich auch interkulturelle Kontakte stattgefunden – genauso wie in Südamerika und Nordafrika, die ich ebenfalls bereist habe. Ich habe schon in meiner Kindheit die – in meinen Augen – sehr europäische Herangehensweise des Besserwissens und Besserseins nicht verstehen können. Schon in der Pubertät war ich eine überzeugte Anhängerin Gandhis und Martin Luther Kings – und bin es bis heute geblieben. Mittlerweile bin ich mit einem Ägypter verheiratet und habe zwei sogenannte binationale Kinder. In diesem Zusammenhang bin ich auf subtile, durch Vorurteile und Unwissenheit geprägte Verhaltensweisen gestoßen, die ich mir vorher nicht hätte vorstellen können. Vor diesem Hintergrund würde ich sagen: Interkultureller Dialog ist in Deutschland ein Muss, um der Eskalation von beiden Seiten zwischen Deutschen und MigrantInnen vorzubeugen.
Was war deine bisherige Lernhaus-Sternstunde?
Für mich ist die Arbeit im Lernhaus ein Prozess, und daraus entwickeln sich mein beständiges Interesse und auch die Bedeutung, die diese Weiterqualifizierung für mich hat. Highlights sind auf jeden Fall die Wochenendseminare – etwa zum Thema Mediation oder Dialog, wo man mit sehr viel neuen Anregungen nach Hause geht.
Was erhoffst du dir für die zweite Hälfte des Lernhaus-Programms?
Einerseits einen Einblick in mögliche Tätigkeitsfelder, andererseits mehr Austausch über die eigenen interkulturellen Probleme. Auch der Blick auf die politische Arbeit in diesem Bereich interessiert mich und der Blick über den Tellerrand hinaus: Was passiert hier international?
Was nimmst du aus dem Lernhaus mit – und wohin trägst du es?
Das Wissen, dass es ein interkulturelles Dialog- und Kommunikationsproblem gibt, und zwar nicht nur in meinem eigenen Leben. Das transportiere ich auch nach außen, und für mich selbst differenziere ich jetzt sehr klar, zwischen Alltags- und interkulturellen Problemen. Dies hilft mir sehr, z.B. wenn es in der Schule meiner Kinder Probleme gibt, ohne dass ich es als solches benenne, ich habe schlicht mein Verhalten geändert. Die verschiedenen Methoden, die wir gelernt haben, z.B. Dialog, Mediation, Open Space, helfen mir nicht nur im Alltag; ich möchte sie auch in meine Arbeit übernehmen. Nicht zuletzt macht so etwas bei Bewerbungen Eindruck. Ich selbst möchte gerne im interkulturellen Bereich arbeiten, am liebsten im Seminar- und Coaching-Bereich.
Die Fragen stellte Karin Nungeßer.
© Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen Berlin