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In-Sun Kim, Jahrgang 1950, lebt seit 1972 in Deutschland. Sie ist Krankenschwester und Theologin und leitet seit 2005 den Interkulturellen Hospiz-Verein Dong Heng in Berlin. Foto: Dagmar Stratenschulte |
Was bringst du mit ins Lernhaus?
Ich bin in Korea geboren und aufgewachsen, wo es vor 5.000 Jahren den Schamanismus gab. Später kamen Buddhismus und Konfuzianismus dazu, und zum Schluss brachten vor 150 Jahren Missionare das Christentum nach Korea. Schon als Kind bin ich mit all diesen Religionen in Berührung gekommen und hatte die Möglichkeit, mich damit auseinanderzusetzen. Über diese Erfahrung wollte ich mich im Lernhaus mit Menschen aus anderen Kulturen und Religionen austauschen.
Bis heute sind für mich alle Religionen gleichwertig. Ich bin erst als erwachsene Frau in Deutschland getauft worden und habe später evangelische Theologie studiert. Das war eine bewusste Entscheidung. Ich bekomme meine Kraft durch meinen Glauben und möchte dafür respektiert werden – und respektiere auch andere Menschen mit ihrem Glauben.
Was war deine bisherige Lernhaus-Sternstunde?
Es gab viele Sternstunden. Aber das Biographiearbeits-Wochenende mit Ronith hat bei mir besonders tiefe Aha-Erlebnisse hinterlassen, denn ich konnte an diesem Wochenende meine Kindheit und das Leben in Korea aus anderen Perspektiven betrachten. Sehr lange hatten mich die Traurigkeit und die Verletzungen aus meiner Kindheit beschäftigt. Auf dem Wochenende sind plötzlich auch einige sehr schöne Erinnerungen in mir hochgekommen. Ich hab mich an die viele Liebe erinnert, die schöne, warme Zuwendung, die ich von meiner Großmutter bekommen habe. Das war ein sehr wertvoller Moment. Dazu beigetragen haben die Methoden, die wir benutzt haben: Durch Malen, Spielen, Rollenspiele konnte ich meinem Problem näher kommen. Ich kam in eine Zuschauerposition – und das war ein Umbruch für mich.
Was erhoffst du dir für die zweite Hälfte des Lernhaus-Programms?
Ich freue mich sehr auf das Zusammentreffen mit den Gruppen aus Köln und Frankfurt. Was unsere Berliner Gruppe angeht: Ich wünsche mir, dass wir uns weiterhin näher kommen und dass der Dialog uns hilft, interessante und auch schwierige Zeiten miteinander zu durchleben, und dass wir mit unseren Fähigkeiten weiter zusammenwachsen.
Was nimmst du aus dem Lernhaus mit – und wohin trägst du es?
Ich habe hier viel über andere Kulturen und Religionen erfahren. Dieses theoretische Wissen und die emotionalen Erlebnisse in der Gruppe kann ich gut für meine Arbeit bei Dong Heng nutzen, denn das Ziel dieses ambulanten interkulturellen Hospiz-Dienstes ist es ja, Menschen aus verschiedenen Kulturen in ihrer letzten Lebenszeit Fürsorge, Beistand und Begleitung zu geben und ihnen dadurch ein lebenswertes Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen. Um diese Arbeit gut machen zu können, brauche ich Selbstreflexion und Toleranz gegenüber anderen Kulturen und Religionen – auch dabei hilft mir das Lernhaus.
Die Fragen stellte Karin Nungeßer.
© Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen Berlin