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Ute Scheub, Jahrgang 1955, ist Journalistin und Buchautorin. Sie ist Mitbegründerin des deutschen Frauensicherheitsrats und Westeuropa-Koordinatorin der Initiative „1.000 Friedensfrauen weltweit“ Foto: Dagmar Stratenschulte |
Was bringst du mit ins Lernhaus?
Meine Neugierde auf Frauen verschiedener Kulturen und Länder. Mein Wissenwollen, welche sozialen Funktionen Religionen haben, was ihre Rituale und Traditionen ausmacht. Mein Bedürfnis nach neuen Methoden, wie Dialog auf gleicher Augenhöhe oder interkulturelle Kommunikation. Ich selbst bin Agnostikerin. Mein Elternhaus war evangelisch-pietistisch und bigott-heuchlerisch, sodass ich mit dieser Art von Glauben gebrochen habe.
Was war deine Sternstunde im Lernhaus?
Ich hatte schon so viele Sternstunden und Aha-Erlebnisse, dass ich unmöglich alle aufzählen kann. Eine davon war unser Seminar zu den gemeinsamen Werten aller Religionen. Der Vertreter des „Weltethos“-Projektes von Hans Küng wies darauf hin, dass es in allen Religionen und Kulturen die „Goldene Regel“ gibt. In Umgangsdeutsch formuliert: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Wenn alle Menschen aller Kulturen und Religionen das beherzigen würden, hätten wir die Menschheitsprobleme locker gelöst. Notabene: Man braucht weder einen Gott noch eine Religion, um sich an die „Goldene Regel“ zu halten. Das einzige, was man benötigt, ist Einfühlungsvermögen, und diese Empathie ist auch das Geheimnis der guten Atmosphäre des Lernhauses.
Worauf freust du dich?
Auf den Workshop mit einigen der „1.000 Friedensfrauen weltweit“, der am 31. März/1. April stattfindet. Als Westeuropa-Koordinatorin dieses Projekts kenne ich einige dieser Frauen und finde sie hinreißend. Zu wissen, dass es weltweit viele tausend dieser Powerfrauen gibt, ist für mich immer wieder ein Trost.
Was nimmst du aus dem Lernhaus mit?
Einige höchst nützliche Kommunikationsmethoden wie Dialog, Biografiearbeit, Mediation, Open Space, Global Café etc.pp. Ich bin ehrenamtlich in verschiedenen internationalen und interkulturellen Projekten tätig und kann das dort sehr gut gebrauchen. Natürlich nehme ich auch jede Menge Einsichten und Erkenntnisse mit, aber wenn ich die jetzt alle niederschreiben wollte, müsste ich mich seitenlang ausmähren, und alle würden schimpfen. Ich formuliere deshalb nur eine: Akzeptanz zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen ist mehr als Toleranz, und sie ist gleichzeitig sehr einfach herzustellen, wenn man sie denn will. Das Lernhaus-Modell ist in meinen Augen deshalb so zukunftsträchtig, weil es mit ein bisschen politischer und finanzieller Unterstützung überall und jederzeit anwendbar ist. Ich bin sehr gespannt, ob die hiesige Politik diese Art von transkultureller Verständigung fördern will oder ob am Ende die alten Hochnäsigkeiten des christlichen Abendlandes obsiegen.
Die Fragen stellte Karin Nungeßer.
© Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen Berlin