Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen

Die aktuelle Lerngruppe – Kurzinterviews

Jing Wang

Jing Wang, Jahrgang 1973, ist in Peking geboren und arbeitet als Dolmetscherin, Übersetzerin und Journalistin.

Foto: Dagmar Stratenschulte

Was bringst du mit ins Lernhaus?
Als eine der zwei asiatischen Frauen im Berliner Lernhaus versuche ich, meine Erkenntnisse über chinesische Kultur, Religion und Tradition einzubringen. So habe ich z.B. in meinem Vortrag über Falun Gong, eine uralte chinesische buddhistische Meditationspraxis, am Anfang eine Einführung über die Kulturbasis im Alten China – über Buddhismus, Taoismus und Konfuzianismus – gegeben und danach über die kulturellen Wurzeln von Falun Gong in der fernöstlichen Welt berichtet. Auch bei Diskussionen bringe ich automatisch meine fernöstliche Denkweise hinein. Ich glaube, durch mich sind die anderen Lernhausfrauen ein Stück näher an China, an seine Vergangenheit und seine Gegenwart, herangekommen.

Was waren deine bisherigen Sternstunden im Lernhaus?
Wichtig war mir der Moment, als ich meine vom Aussehen der Menschen verursachten Vorurteile entdeckt habe. Bei einem unserer Wochenend-Seminare haben wir uns ein Bild angeschaut und sollten beschreiben, was wir darauf sehen. Ein weißer Polizist in Uniform lief darauf einem Schwarzen hinterher – und für mich war sofort klar: Das ist ein weißer Polizist, der einen schwarzen Verbrecher verfolgt. Dabei zeigte das Bild in Wirklichkeit zwei Polizisten – einen in Uniform und einen in Zivil –, die eine dritte Person verfolgen, die auf dem Bild nicht zu sehen ist. Mir ist klar geworden, dass ich, um gegenseitiges Verständnis zu erlangen, zuerst solche Vorurteile abbauen muss.

Was nimmst du aus dem Lernhaus mit – und wohin trägst du es?
Das Bewusstsein und die Fähigkeit, verschiedene Menschen mit verschiedener Herkunft und religiösen Hintergrund zu respektieren. Dazu ist es wichtig, Menschen nicht in eine Schublade zu stecken. Gedanken wie „Die Muslime sind so und so“, „die Christen sind so und so“ oder „die Deutschen sind so und so“ sind oft Hindernisse beim Umgang mit Menschen. Die Menschen sind unterschiedlich, auch wenn sie für dieselbe Glaubensrichtung oder Überzeugung stehen, das habe ich im Lernhaus gelernt. Wohin ich meine Erkenntnisse trage, weiß ich noch nicht. Allerdings habe ich schon im Umgang mit anderen gemerkt, dass ich gelernt habe, andere besser verstehen. Ich kann auch besser zuhören.

Die Fragen stellte Karin Nungeßer.
© Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen Berlin

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