Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen

Die aktuelle Lerngruppe – Kurzinterviews

Gabriele Zimmer

Gabriele Zimmer, Jahrgang 1958, ist Kommunikationswissenschaftlerin und Heilpraktikerin für Psychotherapie und arbeitet bei FrauSuchtZukunft – Verein zur Hilfe suchtmittelabhängiger Frauen e.V., Berlin

Foto: Dagmar Stratenschulte

Welche Erfahrungen machst du im Lernhaus?
Es ist sehr lehrreich, sich mit Frauen auszutauschen, die so unterschiedlich sind, und Mittel und Wege zu finden, in einen fruchtbaren Dialog zu treten. Bewährt hat sich eine Haltung, die ich aufmerksames, aktives Zuhören nennen würde, in der Haltung einer Forschenden, die wirklich interessiert lauscht und nicht – während die andere noch redet – bereits an ihren Gegenargumenten feilt. Herauszufinden, weshalb die anderen sind, wie sie sind, denken, wie sie denken, und glauben, was sie glauben, das ist das Spannende an unserem Austausch. So machen wir hier auf vielen Ebenen neue Erfahrungen: intellektuell, spirituell, geistig, kulinarisch.

Was nimmst du von hier mit?
Mein Selbstbild und mein Weltbild haben sich verändert. In der Bewerbungsphase für das Lernhaus war ich der Überzeugung, dass ich selbst kaum Vorurteile habe, alternativ denkend, frauenbewegt, aufgeklärt bin ... aber angeregt durch unsere Treffen und die Begegnungen und Gespräche wurde mir klar, dass ich doch häufig feste Vorstellungen habe, die nun teilweise aufgeweicht werden. Meine Haltung, z.B. zum „Kopftuch-Thema“, hat sich verändert, Medienberichte, z.B. über den Islam, hinterfrage ich kritischer, mir ist klar geworden, dass ich selbst „typischer deutsch“ bin, als ich früher meinte.

Und wohin trägst du es?
Überall dahin, wo ich mit Menschen zusammenkomme, um mich auszutauschen, also auf die Arbeit in mein Team, zu den Klientinnen, in berufliche und private Gruppen, zu Freundinnen und Freunden, in die Familie. Ich hinterfrage deren Denkkonzepte, so wie ich in den Prozessen in unserer Gruppe gelernt habe, meine eigenen zu hinterfragen. Andererseits höre ich genauer zu, was andere zu sagen haben. Mein Wissen über die verschiedenen Kulturen und Religionen – und darüber, was es bedeutet, als Migrantin in Deutschland zu leben – hat sich beträchtlich erweitert.

Die Fragen stellte Karin Nungeßer.
© Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen Berlin

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