Transkulturelles und interreligiöses Lernhaus der Frauen

Termine – Archiv

Workshop: Wie Frauen Frieden machen

„Lernhaus“ trifft „Friedensfrauen weltweit“
am 31.03 und 01.04. 2007

Dr. Christine MenzÜber die Initiative „1.000 Friedensfrauen weltweit“, die 2003 von der Schweizer Europarätin Ruth Gaby-Vermont gegründet wurde, informierte die Vorstandsfrau Dr. Christine Menz in einem spannenden Kurzvortrag. Die 1.000 Friedensfrauen der Initiative, die 2005 und 2006 für den Friedensnobelpreis nominiert wurden, stehen für Millionen Frauen, die sich weltweit in unabhängigen Initiativen, in lokalen Projekten, Vereinen, NGOs oder als Privatpersonen für Versöhnung und Wiederaufbau, für Frauen- und Menschenrechte, zugunsten von Minderheiten, gegen Armut und Ausbeutung oder in der Friedenserziehung engagieren. Als derzeit wichtigste Projekte des Vereins nannte Menz die Ausstellung, die während der Veranstaltung ebenfalls im Rathaus Charlottenburg gezeigt wurde, und das gleichnamige Buch „1.000 PeaceWomen across the Globe“, mit denen die Friedensfrauen und ihre Arbeit international bekannt gemacht werden. 2008 wird die Initiative die dort vorgestellten 999 Frauen und eine Anonyma – stellvertretend für die Frauen, die durch die Nennung ihres Namens gefährdet werden könnten – erneut für den Friedensnobelpreis vorschlagen lassen.

Eren ÜnsalModeratorin Eren Ünsal geleitete mit sehr viel Herz und Disziplin durch die Veranstaltung, gab das Wort aber immer schnell wieder zugunsten anderer ab: Die Vorstellung der Friedensfrauen übernahmen die Teilnehmerinnen des Lernhauses.

Ronith Krenge und Daniela Hivešová-Šilanová
Herzlich eingeführt von der Dramatherapeutin Ronith Krenge, beschrieb die Schriftstellerin Daniela Hivešová-Šilanová als erste der zehn eingeladenen Friedensfrauen mit viel Leidenschaft ihr Hilfsprojekt: Bei „Jekhetane“ – „Gemeinsam“ spielen slowakische Roma auf der Straße, in Schulen und Kirchen öffentlich Theater, sie machen Musik und geben eine eigene Zeitung heraus. So werden Ausgrenzungen überwunden und Talente sichtbar gemacht – und die Mehrheitsgesellschaft mit den dringend notwendigen Impulse versehen, Vorurteile zu hinterfragen und Diskriminierungen abzubauen.
Kurzbiografie Daniela Hivešová-Šilanová (im PDF Friedensfrauen) »
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Katja Eichner und Marianne Großpietsch„Ich hab nicht den Ehrgeiz, die ganze Welt zu retten. Aber ein paar Sorgen kann ich immer abnehmen.“ Mit charmantem Understatement beschrieb Marianne Großpietsch ihr Engagement für Leprapatienten in Nepal: 1.200 Mahlzeiten gibt das von ihr gegründete Shanit Sewa Zentrum täglich an Bedürftige ab. Mit viel Sympathie vorgestellt wurde sie von der Südasienwissenschaftlerin Katja Eichner.
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Interview Katja Eichner »

Bosiljka Schedlich und Ute Scheub„Das Erste, was im Balkankonflikt gestorben ist, war das Wort.“ Für Bosiljka Schedlich ist das Reden über die zurückliegenden Schrecken wichtigster Bestandteil ihrer Arbeit mit traumatisierten Kriegsflüchtlingen aus Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo. Einzige Regel: JedeR darf nur über die eigenen Erfahrungen sprechen. Ute Scheub, die Schedlich ein Kapitel in ihrem wunderbaren Buches „Friedenstreiberinnen“ gewidmet hat, stellte sie dem Publikum vor und befragte sie über ihre Arbeit.
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Interview Ute Scheub »

Steffi Metelmann und Vera VohlidalovaEine Hymne auf die Friedensfrau zu singen - auch für Steffi Metelmann war das kein Problem: Einfühlsam präsentierte die Studentin der Erziehungswissenschaft die Bibliothekarin Vera Vohlidalova, die sich als Präsidentin des Tschechisch-Deutschen Frauenforums für transnationale Versöhnung starkmacht und von ihrem Wiederaufbauprojekt einer Friedensbibliothek am Standort der ehemaligen jüdischen Synagoge in Liberec berichtete.
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Marianne Arndt und Barbara Gladysch„Woher nimmst du die Kraft für dein Engagement?“, wollte Marianne Arndt von Barbara Gladysch wissen. Gladysch engagiert sich seit über 25 Jahren gegen den Krieg und seine Folgen: Zuerst bei den „Müttern für den Frieden“, später für Kriegsflüchtlinge vom Balkan, seit 1997 für vom Tschetschenienkrieg traumatisierte Kinder in Grosny. Über ihre Antwort musste sie nicht lange nachdenken: „Die Kraft kommt aus der Wut.“
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Karima Hartmann und Karla-Maria SchälikeSichtlich berührt stellte Karima Hartmann die Friedensfrau Karla-Maria Schälike vor und befragte sie zu „Nadjeschda“ („Hoffnung“), einem Zentrum für ausgesetzte behinderte Kinder, das Schälike 1989 nach dem Tod ihres Sohnes in Kirgisien gegründet hat. Offen berichtete sie von den Schikanen und Einschüchterungsversuchen der örtlichen Behörden, die das Projekt jahrelang begleitet haben – aber auch von dem Stolz und der Freude, die es ihr bereitet, „ihre“ Kinder dort aufwachsen zu sehen.
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Esma Saglam und Barbara Nath-WiserManchmal geht es nur mit Subversion. Das erfuhren Esma Saglam und das Publikum von der österreichischen Ärztin Dr. Barbara Nath-Wiser: Um die jungen Mädchen ins Gemeindezentrum Nishta zu bekommen, werden dort seit einiger Zeit Nähkurse angeboten. „Solche Kurse dürfen in Sidhbari auch unverheiratete Frauen besuchen“, erläuterte Nath-Wiser, die das Zentrum in einem kleinen Dorf am Fuße des Himalaya 1989 gegründet hat. Beabsichtigter Nebeneffekt: Die jungen Frauen lernen auf diese Weise auch das übrige Angebot von Nishta kennen lernen, das u.a. kostenlose medizinische Beratung und Versorgung sowie Computerräume und eine Zufluchtswohnung für Frauen umfasst.
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Hanaa El-Hussein und Cathrin SchauerWenn es nach den offiziellen Stellen geht, ist demnächst Schluss bei KARO. Das berichtete sichtlich besorgt die Sozialarbeiterin Cathrin Schauer, die von Hanaa El´Hussein vorgestellt wurde. Obwohl gewalttätige Übergriffe der meist deutschen Freier an der deutsch-tschechischen Grenze an der Tagesordnung seien, Zwangsprostitution und Kinderhandel zunähmen, bestreite die sächsische Landesregierung den Bedarf für eine solche Anlaufstelle, kritisierte Schauer und warb um finanzielle wie ideelle Unterstützung für das von ihr aufgebaute Projekt.
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Interview Hanaa El´Hussein »

Katja Eichner und Anni Lanz„Wenn wir dagegen kämpfen, kämpfen wir für uns selbst.“ So begründet die Schweizer Soziologin Anni Lanz, die von Katja Eichner vorgestellt und befragt wurde, ihr Engagement gegen die rechtliche Diskriminierung der Sans Papiers: Menschen ohne Dokumente, die der Willkür von ArbeitgeberInnen und Behörden meist schutzlos ausgeliefert sind. Ihre Solidarität gilt dabei vor allem den Frauen: „Ausländerinnen werden qua Gesetz in die Rollen gedrängt, die inländischen Frauen nicht mehr zugemutet werden“, kritisierte Lanz und verwies auf typisch weibliche Arbeitsbereiche und den fehlenden Schutz der illegalisierten Frauen bei häuslicher Gewalt.
Kurzbiografie Anni Lanz (im PDF Friedensfrauen) »
Interview Katja Eichner »

Ute Scheub und Seyran AtesSeyran Ates engagiert sich für Frauen mit migrantischem Hintergrund, die ihren eigenen Weg gehen wollen und dabei teilweise gegen starre Strukturen ihrer Herkunftsgesellschaft und gegen Rassismus in der Mehrheitsgesellschaft kämpfen müssen. Darauf verwies Ute Scheub in ihrer Vorstellung der Frauenrechtsexpertin, die bis zum vergangenen Jahr in Berlin als Rechtsanwältin gearbeitet hat. Einfühlsam beschrieb Scheub die Retraumatisierung, die es für Ates bedeutete, als sie im vergangenen Jahr erneut körperlich attackiert wurde – und ihr von den Umstehenden niemand zu Hilfe kam. Ates gab ihre Anwaltlizenz daraufhin zurück, versprach dem Publikum aber, sich weiterhin für die Gerechtigkeit und für gleichberechtigte Entwicklungschancen ausländischer Frauen stark zu machen.
Kurzbiografie Seyran Ates (im PDF Friedensfrauen) »
Interview Ute Scheub »

World Café TotaleAuf die Vorstellungsrunde am Samstagvormittag folgte am späten Nachmittag das World Café: An fünf Tischen versammelten sich je zwei Friedensfrauen mit den Teilnehmerinnen, die sich hier genauer über die einzelnen Friedensprojekte informieren konnten. Moderiert wurden die Tischgespräche von den Lernhaus-Teilnehmerinnen, die so verschiedene Techniken der Gesprächsführung trainieren und erproben konnten, die sie im ersten Jahr ihrer Lernhaus-Qualifizierung kennengelernt haben.

World Café IIDazu gehört zum Beispiel der Redeball: Solange Dr. Barbara Nath-Wiser ihn festhält, hat sie das Wort – und alle anderen müssen zuhören.

World Café Großaufnahme mit MikroIntensives Gespräch im kleinen Kreis: Vor aufmerksamen Zuhörerinnen beschreibt Bosiljka Schedlich die Arbeit mit traumatisierten Menschen.

World Café Tisch mit Seyran AtesTranskulturalität, das gegenseitige Durchdringen der Kulturen, wurde hier sowohl praktisch erfahren als auch theoretisch diskutiert.

World Café Tisch IreneKarla-Maria Schälike erzählte Faszinierendes und Befremdliches aus dem bei uns nahezu unbekannten Land Kirgisien. Großes Interesse fanden Fotos von ihren Schützlingen sowie eine traditionelle kirgisische Mütze.

Tanzen im FoyerZum Abschluss des ersten Veranstaltungstages erfreute die Sängerin, Musikerin und Tanzpädagogin Hanan El-Shemouty die Teilnehmerinnen mit ihrer wunderschönen Musik. Viele animierte sie mit ihren orientalischen Quanun-Klängen im Rathausfoyer zum Mittanzen.

Ronith Krenge und Bosiljka Schedlich Kopf an KopfRaum für persönliche Kontakte und viele Gespräche boten die Pausen.

Ingrid Lottenberger und Daniela Hivešová-ŠilanováNeue gemeinsame Aktionen planen? Ingrid Lottenberger und Daniela Hivešová-Šilanová beim Netzwerken.

2. Veranstaltungstag

Petra Bläss am Rednerpult„Perspektiven der Friedensarbeit von Frauen“ lautete der gemeinsame Obertitel für die beiden Impulsreferate, mit denen die Veranstaltung am Sonntagmorgen fortgesetzt wurde. Petra Bläss, ehemalige Bundestagsvizepräsidentin und Mitbegründerin des Frauensicherheitsrates, erläuterte in ihrem ebenso informativen wie kurzweiligen Vortrag die besondere Bedeutung der UN-Resolution 1325: Sie sei „der wichtigste Schritt, um die bedeutsame Rolle von Frauen in der zivilen Konfliktprävention und beim Wiederaufbau anzuerkennen und ihnen angemessene Mitwirkungsmöglichkeiten zu sichern“. Leider ist in der Praxis davon noch nicht viel zu sehen. Der Frauensicherheitsrat, 2003 gegründet, macht deshalb Druck und fordert zur Umsetzung u.a. einen eigenen Nationalen Aktionsplan von der Bundesregierung.

Petra Bläss am Rednerpult„Am schwierigsten ist es, den Dialog zu beginnen.“ Diese Erfahrung hat Fadila Memisevic in Bosnien-Herzegowina gemacht. Als Regionalkoordinatorin der „1.000 Friedensfrauen weltweit“ ist sie für den Balkan und Südosteuropa zuständig. Sie berichtete den Zuhörerinnen in ihrem Vortrag von den Schwierigkeiten und dem letztlich erfolgreichen Versuch, Überlebende des Massakers von Srebrenica und serbische Frauen an einen Tisch zu bringen. Wichtige Bedeutung habe die Vernetzung von Frauen, sagte Memisevic und verwies auf die 40 Frauen-NGOs, die sich in der Sektion Bosnien-Herzegowina der Gesellschaft für bedrohte Völker zu einer Frauenunion zusammengeschlossen haben.
Den Vortrag von Fadila Memisevic finden Sie hier (PDF-Datei)»

Fish Bowl„Sehr berührend, sehr intensiv.“ „Der Raum brummt nur so vor Energie.“ „Ich habe viel Ermutigung und Kraft für mein eigenes Engagement bekommen.“ – Die Bilanz, die die Teilnehmerinnen am Sonntagmittag in einem Abschlussgespräch im sogenannten Fish Bowl über die Veranstaltung zogen, war durchweg positiv. Auch konkrete Projekte wurden bereits geplant. So sollen die Vernetzung befördert und der Informationsaustausch zwischen Lernhaus- und Friedensfrauen durch Patenschaften aufrechterhalten werden. Für einen Fonds für besonders bedrohte Friedensfrauen warb Marianne Großpietsch. Als Motto über der gesamten Veranstaltung könnte stehen, was Bosiljka Schedlich in ihrem Abschlussstatement formulierte: „Wenn ich stehe und schweige, bewegt sich gar nichts. Aber wenn ich mich bewege, bewege ich auch andere.“

Christiane Klingspor Blumen für die Mitwirkenden: Lernhaus-Koordinatorin Christiane Klingspor verabschiedete die Teilnehmerinnen und überreichte Blumen.

Anni Lanz und Katja EichnerVielleicht schon bald Patinnen? Friedensfrau Anni Lanz und Lernhaus-Teilnehmerin Katja Eichner.

Ute Scheub und Irene beim Blumen übergebenOhne sie hätte es diese Veranstaltung nicht gegeben: Lernhauskoordinatorin Irene Pabst bedankte sich bei Ute Scheub. Die Journalistin und Buchautorin engagiert sich ehrenamtlich als Westeuropa-Koordinatorin der „1.000 Friedensfrauen weltweit“ und nimmt am Qualifizierungsprogramm des Lernhauses teil - gemeinsam mit Christiane Klingspor hatte sie die Idee zu dieser Veranstaltung und hat sie ma§geblich mit organisiert.

Lernhausfrauen und GästeGeschafft!!! Entspannt und glücklich über die von allen Lernhausfrauen gemeinsam vorbereitete gelungene Veranstaltung und die großartige Resonanz: die Lernhausfrauen und ihre Gäste von der Initiative „1.000 Friedensfrauen weltweit“. 

PDF-Download Workshop-Einladung und Programm
PDF-Download Kurzbiografien der Gäste
PDF-Download Vortrag von Fadila Memisevic

 

 

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